Zu den ständigen Herausforderungen für eine Datenrettungsfirma gehört die zunehmende Bearbeitung von bereits geöffneten Festplatten durch Laien. Ein Kunde aus Darmstadt hatte seine Festplatte geöffnet, nachdem er sich die Anleitung aus einem Forum geholt hatte. Zuvor machte die Seagate ST1000LM001 Freeplay  mit klackernden Geräuschen auf sich aufmerksam.

Offene Festplatte aus Darmstadt
Festplatte bei der Einlieferung in unser Data Recovery Center

Ein Zustand, der sich auch mit der Öffnung nicht änderte. Unser Kunde sah ein, dass er nun professionelle Hilfe benötigen würde. Er vermied es,  die Festplatte nochmals an sein System anzuschließen und fuhr von Darmstadt aus direkt zu unserem Datenrettungslabor.

Wie gehen wir als Datenretter in einem Fall mit dieser Historie vor? Natürlich nehmen wir diese bereits geöffnete Festplatte nicht erneut in Betrieb. Unsere erfahrenen Datenrettungs-Ingenieure analysieren die Festplatte mit Sorgfalt in Reinraumumgebung. Im ersten Schritt beseitigen sie eingebrachte Verunreinigungen, die sich immer in einer durch den Laien geöffneten Festplatte befinden.

Offene Festplatte – ohne Reinraum

Die Öffnung ausserhalb einer Reinraumumgebung durch den Laien ist nie eine gute Idee. Denn schon kleinste eingedrungene Staubpartikel sind gefährlich. Sie sind in der Lage,  die Schreib/Leseköpfe der Festplatte zu zerstören und die Oberfläche weiter zu beschädigen. Das kann bis zum endgültigen Datenverlust führen. Sicherstellen, dass die Festplatte absolut frei von jeder Verunreingung ist, gehört zu der Standardprozedur nach einer Öffnung durch den Kunden.

Im zweiten Schritt erfolgt die Schadensaufnahme im Labor. Im Falle der offenen Seagate Festplatte aus Darmstadt war der Schaden eindeutig zu diagnostizieren. Unter dem Elektronenmikroskop war ein großflächig beschädigter Bereich zu erkennen. Eventuell war die mobile Festplatte durch Unachtsamkeit heruntergefallen; unser Kunde konnte sich allerdings an keinen Vorfall erinnern. Rund 10% der Oberfläche wurden als physikalisch irreversibel beschädigt und damit unrettbar festgestellt. Alle anderen Bereiche vor und nach der massiven Beschädigung konnten im Anschluss an die Diagnose im Reinraumlabor ausgelesen werden.

Gutes Resultat, funktionierende Daten

Eine 90%ige Lesbarkeit ist an sich kein optimales Ergebnis. Das Bestreben als Datenretter ist es, möglichst nahe an die 100% Marke zu kommen. Im vorliegenden Fall war das Resultat, schon allein auf Grund der Vorgeschichte und der unsachgemäßen Öffnung, sehr positiv. Da sich die beschädigte Struktur an einer zentralen, von Daten belegten Position befand, war ausserdem mit nicht funktionierenden Daten zu rechnen.

Nach dem Auslesen in der Reinraumumgebung wurden die Strukturen überprüft. Um dem Kunden das beste Ergebnis zu liefern, wurden die Dateien nach Qualitätskriterien selektiert. Gute, als nicht beschädigt erkannte Dateistrukturen, wurden gesichert und für den Anwender aufbereitet. Im nächsten Schritt generierte der betreuende Techniker eine umfassende Dateiliste für den Anwender. Sie wurde ihm zusammen mit einem Festpreis-Angebot zur Verfügung gestellt.

Die komplette Datenrettung, von der Abgabe in unserem Datenrettungs-Center bis zur erfolgreichen Datenrettung, benötigte rund 72 Stunden. In dem Moment, als der Kunde sein Angebot mit Dateiliste vor sich liegen hatte, waren für unsere Ingenieure die Arbeiten bereits abgeschlossen. Die Daten lagen gerettet zum Abruf auf einem Hochsicherheitsserver bereit.